Kriegserklärung.
Auffallend häufig begegnet dem aufmerksamen Zeitungsleser in den letzten Wochen das Wort "Kriegserklärung".
Ich habe eine kurze Recherche in Google-News angestellt mit dem Ergebnis von 583 Meldungen, in denen eine Kriegserklärung angedroht oder vollzogen wird. Diese "Kriegserklärungen" sind unterschiedlichster Natur:
Da ist einmal Nordkorea, das jede Sanktion aufgrund seiner Atomwaffentests - insbesondere von Seiten der USA - als Kriegserklärung auffassen will. Nachdem die Sanktionen bereits beschlossen wurden, müssten sich diese beiden Staaten also derzeit in offenem Krieg befinden. Diese Kriegserklärung wurde so "ernst" genommen, dass nicht einmal die Börsen reagieren, die schon abstürzen, wenn ein Kleinflugzeug wegen eines Motorschadens in ein Hochhaus kracht.(495 Meldungen)
Offensichtlich hat dann auch noch Frankreich den Krieg gegen die Türkei erklärt. So sehen das jedenfalls türkische Politiker in Ihrer Reaktion auf ein neues Gesetz in Frankreich, das den Genozid an den Armeniern durch die Türkei wieder ins Rampenlicht rückt. Bravo Frankreich! - Aber leider hast Du damit den Krieg ins Herz Europas gebracht! (Nicht die Türkei, Frankreich!)
In einem Interview der Kleinen Zeitung mit Gerhard Haderer setzt dieser den bewussten Einsatz von Mohammed-Karrikaturen als Provokation der islamischen Glaubenswelt mit einer Kriegserklärung gleich (sollte eine solche bewusste Provokation jemals stattfinden...)
Auch zwischen den Medien herrscht Krieg. So hat der ORF laut ATV-Chef Prenner seinem Sender und ihm persönlich den Krieg erklärt, indem sich der ORF für die nächste Spielsaison die Übertragungsrechte der Österreich-Bundesliga gesichert hat.
Was ich mich frage:
Gibt es auch echte Kriegserklärungen. Wo der eine zum anderen sagt: "Du bist mein Feind, Dich bekämpfe ich jetzt bis Du brichst." Wahrscheinlich nicht, denn eine solche Kriegserklärung setzt ein Maß an Ehrlichkeit voraus, das jemand, der tatsächlich Krieg führen will, wohl nicht aufbringen kann.
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Dienstag, Oktober 17, 2006
Brauchen wir eine "moralische Erneuerung"?
Kürzlich ist mir der Ruf des schwedischen Regierungschefs Reinfeldt nach einer "moralischen Erneuerung" des Landes aufgefallen. Was eigentlich nur als erste Reaktion auf das Fehlverhalten einiger seiner Regierungsmitglieder gemeint war, birgt aus meiner Sicht schon einen besonders interessanten Kern.
Was würde es bedeuten, wenn sich ein ganzes Land die "moralische Erneuerung" verschreibt? Was würde dann geschehen? Wo fängt man an?
Beim Kopf - das ist mein erster Impuls, den ich habe. Also bei den Führenden des Landes. Eine ausgezeichnete Idee! Unsere (politische) Führung kann eine moralische Erneuerung dringend gebrauchen. Unter dieser Führung verstehe ich nicht nur einen Landeshauptmann, einen Parteivorsitzenden, eine charismatische Frontfigur. Ich meine damit diejenigen, die bei den politischen Entscheidungsprozessen Einfluss nehmen können. Denn bei ihnen steht oft das Macht- und Parteienkalkül im Vordergrund. Die Auswirkung einer Maßnahme oder einer Entscheidung auf die Partei ist vielfach wichtiger als die Auswirkung auf die Menschen. Hier gehört vieles wieder zurecht gerückt und in diesem Sinne wünsche ich mir wirklich eine moralische Erneuerung - auch unseres Landes.
Aber auch auf einer viel breiteren Ebene wäre eine moralische Erneuerung von Nöten. Der Mensch als Individuum, dessen kleine Entscheidungen im Leben oft große Wirkung haben. Wirkung, die oft nicht bedacht wird. Beim Einkauf, in der Erziehung unserer Kinder, in der Ausbildung usw...
Hier fehlen mehr und mehr moralische Standards, die zuverlässig zur Geltung kommen. Moralische Standards, wie sie beispielsweise von der Kirche über Jahrhunderte postuliert wurden.
Aber: Laut einer Umfrage halten die Deutschen die Zehn Gebote für nicht mehr zeitgemäß. Angeblich sind 21 Prozent der deutschen Schüler der Meinung, das Gebot "Du sollst nicht stehlen" sei überholt. Rosige Aussichte!
Kürzlich bin ich auf das Buch von Bueb - Lob der Disziplin - gestoßen. Vielleicht ist er ein einsamer Rufer in der Wüste. Ein Rufer nach mehr Richtschnur, nach mehr Maßstab, nach Regeln, auf die man sich verlassen kann, und die unserer verunsicherten und oft auch orientierungslosen Gesellschaft Halt und Sicherheit geben.
Kürzlich ist mir der Ruf des schwedischen Regierungschefs Reinfeldt nach einer "moralischen Erneuerung" des Landes aufgefallen. Was eigentlich nur als erste Reaktion auf das Fehlverhalten einiger seiner Regierungsmitglieder gemeint war, birgt aus meiner Sicht schon einen besonders interessanten Kern.
Was würde es bedeuten, wenn sich ein ganzes Land die "moralische Erneuerung" verschreibt? Was würde dann geschehen? Wo fängt man an?
Beim Kopf - das ist mein erster Impuls, den ich habe. Also bei den Führenden des Landes. Eine ausgezeichnete Idee! Unsere (politische) Führung kann eine moralische Erneuerung dringend gebrauchen. Unter dieser Führung verstehe ich nicht nur einen Landeshauptmann, einen Parteivorsitzenden, eine charismatische Frontfigur. Ich meine damit diejenigen, die bei den politischen Entscheidungsprozessen Einfluss nehmen können. Denn bei ihnen steht oft das Macht- und Parteienkalkül im Vordergrund. Die Auswirkung einer Maßnahme oder einer Entscheidung auf die Partei ist vielfach wichtiger als die Auswirkung auf die Menschen. Hier gehört vieles wieder zurecht gerückt und in diesem Sinne wünsche ich mir wirklich eine moralische Erneuerung - auch unseres Landes.
Aber auch auf einer viel breiteren Ebene wäre eine moralische Erneuerung von Nöten. Der Mensch als Individuum, dessen kleine Entscheidungen im Leben oft große Wirkung haben. Wirkung, die oft nicht bedacht wird. Beim Einkauf, in der Erziehung unserer Kinder, in der Ausbildung usw...
Hier fehlen mehr und mehr moralische Standards, die zuverlässig zur Geltung kommen. Moralische Standards, wie sie beispielsweise von der Kirche über Jahrhunderte postuliert wurden.
Aber: Laut einer Umfrage halten die Deutschen die Zehn Gebote für nicht mehr zeitgemäß. Angeblich sind 21 Prozent der deutschen Schüler der Meinung, das Gebot "Du sollst nicht stehlen" sei überholt. Rosige Aussichte!
Kürzlich bin ich auf das Buch von Bueb - Lob der Disziplin - gestoßen. Vielleicht ist er ein einsamer Rufer in der Wüste. Ein Rufer nach mehr Richtschnur, nach mehr Maßstab, nach Regeln, auf die man sich verlassen kann, und die unserer verunsicherten und oft auch orientierungslosen Gesellschaft Halt und Sicherheit geben.
Montag, Oktober 02, 2006
Die Wahlen sind geschlagen...
Vergangenen Sonntag hat Österreich ein neues Parlament gewählt. Mit einem meiner Einschätzung nach wenig zufrieden stellenden Ergebnis. Dass die SPÖ den Sprung an die erste Stelle geschafft hat, verursacht mehr als nur einen eigenartigen Nachgeschmack.
Anneliese Rohrer hat gestern festgestellt, dass nicht die SPÖ die Wahlen gewonnen hat, vielmehr hat sie die ÖVP verloren. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass die ÖVP eine Mehrheit hätte, wären diejenigen, die sich die ÖVP als stärkere Partei wünschen, auch tatsächlich zur Wahl gegangen. Genau das war nämlich nicht der Fall.
So hat das jetzige Wahlergebnis den schalen Beigeschmack, dass es nicht dem Willen der potenziellen österreichischen Wähler wiederspiegelt, sondern jenen der tatsächlichen. So funktioniert Demokratie nun einmal.
Und wieder fällt erscheint mir ganz klar, dass Demokratie - so wie wir sie heute verstehen - ein absolut schlechter Kompromiss ist.
Vergangenen Sonntag hat Österreich ein neues Parlament gewählt. Mit einem meiner Einschätzung nach wenig zufrieden stellenden Ergebnis. Dass die SPÖ den Sprung an die erste Stelle geschafft hat, verursacht mehr als nur einen eigenartigen Nachgeschmack.
Anneliese Rohrer hat gestern festgestellt, dass nicht die SPÖ die Wahlen gewonnen hat, vielmehr hat sie die ÖVP verloren. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass die ÖVP eine Mehrheit hätte, wären diejenigen, die sich die ÖVP als stärkere Partei wünschen, auch tatsächlich zur Wahl gegangen. Genau das war nämlich nicht der Fall.
So hat das jetzige Wahlergebnis den schalen Beigeschmack, dass es nicht dem Willen der potenziellen österreichischen Wähler wiederspiegelt, sondern jenen der tatsächlichen. So funktioniert Demokratie nun einmal.
Und wieder fällt erscheint mir ganz klar, dass Demokratie - so wie wir sie heute verstehen - ein absolut schlechter Kompromiss ist.
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