Dienstag, Oktober 17, 2006

Brauchen wir eine "moralische Erneuerung"?


Kürzlich ist mir der Ruf des schwedischen Regierungschefs Reinfeldt nach einer "moralischen Erneuerung" des Landes aufgefallen. Was eigentlich nur als erste Reaktion auf das Fehlverhalten einiger seiner Regierungsmitglieder gemeint war, birgt aus meiner Sicht schon einen besonders interessanten Kern.

Was würde es bedeuten, wenn sich ein ganzes Land die "moralische Erneuerung" verschreibt? Was würde dann geschehen? Wo fängt man an?

Beim Kopf - das ist mein erster Impuls, den ich habe. Also bei den Führenden des Landes. Eine ausgezeichnete Idee! Unsere (politische) Führung kann eine moralische Erneuerung dringend gebrauchen. Unter dieser Führung verstehe ich nicht nur einen Landeshauptmann, einen Parteivorsitzenden, eine charismatische Frontfigur. Ich meine damit diejenigen, die bei den politischen Entscheidungsprozessen Einfluss nehmen können. Denn bei ihnen steht oft das Macht- und Parteienkalkül im Vordergrund. Die Auswirkung einer Maßnahme oder einer Entscheidung auf die Partei ist vielfach wichtiger als die Auswirkung auf die Menschen. Hier gehört vieles wieder zurecht gerückt und in diesem Sinne wünsche ich mir wirklich eine moralische Erneuerung - auch unseres Landes.

Aber auch auf einer viel breiteren Ebene wäre eine moralische Erneuerung von Nöten. Der Mensch als Individuum, dessen kleine Entscheidungen im Leben oft große Wirkung haben. Wirkung, die oft nicht bedacht wird. Beim Einkauf, in der Erziehung unserer Kinder, in der Ausbildung usw...
Hier fehlen mehr und mehr moralische Standards, die zuverlässig zur Geltung kommen. Moralische Standards, wie sie beispielsweise von der Kirche über Jahrhunderte postuliert wurden.
Aber: Laut einer Umfrage halten die Deutschen die Zehn Gebote für nicht mehr zeitgemäß. Angeblich sind 21 Prozent der deutschen Schüler der Meinung, das Gebot "Du sollst nicht stehlen" sei überholt. Rosige Aussichte!

Kürzlich bin ich auf das Buch von Bueb - Lob der Disziplin - gestoßen. Vielleicht ist er ein einsamer Rufer in der Wüste. Ein Rufer nach mehr Richtschnur, nach mehr Maßstab, nach Regeln, auf die man sich verlassen kann, und die unserer verunsicherten und oft auch orientierungslosen Gesellschaft Halt und Sicherheit geben.

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