Dienstag, Oktober 17, 2006

Kriegserklärung.

Auffallend häufig begegnet dem aufmerksamen Zeitungsleser in den letzten Wochen das Wort "Kriegserklärung".

Ich habe eine kurze Recherche in Google-News angestellt mit dem Ergebnis von 583 Meldungen, in denen eine Kriegserklärung angedroht oder vollzogen wird. Diese "Kriegserklärungen" sind unterschiedlichster Natur:

Da ist einmal Nordkorea, das jede Sanktion aufgrund seiner Atomwaffentests - insbesondere von Seiten der USA - als Kriegserklärung auffassen will. Nachdem die Sanktionen bereits beschlossen wurden, müssten sich diese beiden Staaten also derzeit in offenem Krieg befinden. Diese Kriegserklärung wurde so "ernst" genommen, dass nicht einmal die Börsen reagieren, die schon abstürzen, wenn ein Kleinflugzeug wegen eines Motorschadens in ein Hochhaus kracht.(495 Meldungen)

Offensichtlich hat dann auch noch Frankreich den Krieg gegen die Türkei erklärt. So sehen das jedenfalls türkische Politiker in Ihrer Reaktion auf ein neues Gesetz in Frankreich, das den Genozid an den Armeniern durch die Türkei wieder ins Rampenlicht rückt. Bravo Frankreich! - Aber leider hast Du damit den Krieg ins Herz Europas gebracht! (Nicht die Türkei, Frankreich!)

In einem Interview der Kleinen Zeitung mit Gerhard Haderer setzt dieser den bewussten Einsatz von Mohammed-Karrikaturen als Provokation der islamischen Glaubenswelt mit einer Kriegserklärung gleich (sollte eine solche bewusste Provokation jemals stattfinden...)

Auch zwischen den Medien herrscht Krieg. So hat der ORF laut ATV-Chef Prenner seinem Sender und ihm persönlich den Krieg erklärt, indem sich der ORF für die nächste Spielsaison die Übertragungsrechte der Österreich-Bundesliga gesichert hat.

Was ich mich frage:
Gibt es auch echte Kriegserklärungen. Wo der eine zum anderen sagt: "Du bist mein Feind, Dich bekämpfe ich jetzt bis Du brichst." Wahrscheinlich nicht, denn eine solche Kriegserklärung setzt ein Maß an Ehrlichkeit voraus, das jemand, der tatsächlich Krieg führen will, wohl nicht aufbringen kann.

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