Bitte hört auf, uns ständig Zeitungen zu schenken!
Mit der Einführung von "Österreich" am heimischen Zeitungsmarkt hat sich ein Trend verstärkt und gefestigt, der mir gar nicht gefällt. Über welchen öffentlichen Platz man auch geht, welchen größeren Bahnhof man auch betritt, überall finden sich junge Leute, die einem eine Zeitung schenken wollen. Ich stelle zufrieden fest, dass immer weniger Menschen von diesem Angebot Gebrauch machen, aber der Strom an bedrucktem Papier reißt nicht ab.
Ich lebe begeistert in meiner Zeit, die mir unglaublich viele Möglichkeiten der Kommunikation und der Informationsbeschaffung bietet. Aber ein bisschen wehmütig denke ich auch an jene Vergangenheit, in der man noch nicht versucht hat, den Ruf der Zeitung so konsequent zu zerstören, wie das derzeit geschieht.
Grundsätzlich halte ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein Plädoyer dafür, Zeitung zu lesen und die Kultur des Zeitungslesen wieder zurück zu gewinnen. Eine wichtige Aufgabe der Schulen sollte es ja eigentlich sein, ihre Zöglinge auch zu kritischen Zeitungslesern auszubilden. Schließlich geht es darum, die eigene Umgebung und die Welt insgesamt zu erkennen und zu verstehen.
Aber die Wahrscheinlichkeit, dass beispielsweise ein Schüler, dem auf diesem Gebiet noch gänzlich die Orientierung fehlt, eine gute Zeitung zu lesen bekommt, ist sehr gering.
Ich frage mich ja selbst dauernd, wie diese Unmenge an Texten fabriziert werden kann, täglich, stündlich, und wie dann dennoch nichts drin steht in diesen Blättern. Nichts Relevantes. Kaum Information. Im Grunde genommen ist dieser Überfluss beinahe als gezielte Desinformation zu bezeichnen. Denn selbst, wenn man die Gabe der Unterscheidung besitzt ist es doch ein erheblicher Aufwand, sie auch auf das ganze Spektrum der Zeitungen anzuwenden.
Anstatt den Leser dabei zu unterstützen, das schier unglaubliche Informationsangebot der heutigen Zeit zu filtern, als Medium zu fungieren zwischen den Millionen Meldungen und Neuigkeiten einerseits, und dem nur begrenzt aufnahmefähigen Menschen andererseits, verstärkt die aktuelle Zeitungslandschaft die Not des nach Informationen Suchenden, indem sie überflüssige Meldungen auf der Titelseite, irreführende Kommentare im Inneren und belanglose Beiträge insgesamt publiziert. In Analogie zum Märchen von Aschenputtel sollten Zeitungen die Tauben sein, die Auslesen und nur das für gut befundene sichern und aufnehmen. Die Guten in's Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.
Insgesamt finde ich es schade, dass ausgerechnet Zeitungen, die eine so wichtige Rolle in der richtigen Informationsvermittlung spielen sollten den entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass die Medienlandschaft ein unübersichtliches, schwammiges und vor allem belangloses Bild unserer Welt zeichnen. Natürlich kann sich damit eine gute Zeitung als "Qualitätspresse" positionieren, ein Gegengift zu unserer aktuell vergifteten Presselandschaft ist das keinesfalls.
Mittwoch, Oktober 18, 2006
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