Inflation der Worte!
Jeder, der schreibt, muss sich über kurz oder lang mit der Frage beschäftigen, wie sorgfältig er bei der Wahl seiner Worte vorgeht.
Ich stelle fest, dass gerade in den neuen Medien die Achtsamkeit im Umgang mit Worten oder der Sprache insgesamt einerseits stark abnimmt und dass andererseits neue Regeln entstehen, die aber nur im Einsatz von eMails oder Ähnlichem Gültigkeit haben.
So wird beispielsweise auf die Groß- und Kleinschreibung häufig generell verzichtet und nur noch klein geschrieben. Kein Mensch käme auf die Idee, in einem Brief nur die Kleinschreibung zu verwenden. Es würde wohl auch als Geringschätzung des Adressaten verstanden, würde die Aufmerksamkeit des Verfassers nicht einmal so weit reichen.
Auffallend ist auch, dass in Texten, die Jahrhunderte oder mehr überdauert haben, die Worte mit besonderer Behutsamkeit gewählt und gesetzt wurden. Zum Beispiel in liturgischen Texten, Gebeten, Formeln und Riten.
Das Gloria in der katholischen Liturgie beeindruckt mich hier ganz besonders. Kein Wort zu wenig, keines zu viel. Die Prägnanz ist stellenweise Ehrfurcht einflößend. Vom "Gehalt" dieses Hymnus gar nicht zu sprechen.
Es würde zu mehr Qualität und vermutlich auch zu einer Entschärfung unserer Hochgeschwindigkeits-Gesellschaft beitragen, wendeten wir für unsere Worte - gesprochen oder geschrieben - mehr Achtsamkeit auf. Das formt uns selbst und auch die Welt um uns.
Dienstag, Oktober 17, 2006
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